Gipfeli-Paradoxon
Das Gipfeli-Paradoxon
Kürzlich las ich in der NZZ eine Überschrift, die mich zum Schmunzeln brachte:
„Wer als Bäcker seine Gipfeli nicht mehr selber herstellt, hat verloren.“
Die Gebrüder Bachmann aus Basel erklären darin ihr Erfolgsrezept. Es ist eigentlich erschreckend simpel: Sie backen noch selbst. In einer Welt, in der die Konkurrenz oft nur noch gefrorene Teiglinge aus der Großfabrik aufbackt, wird das Selbstverständliche plötzlich zum USP.
Das gilt natürlich nur für Bäcker. Oder?
Wenn man genau hinsieht, begegnet uns das „Aufback-Prinzip“ mittlerweile fast überall im Dienstleistungssektor. Es ist die Epoche der industriellen Bequemlichkeit:
· Man kauft Prozesse „von der Stange“, weil das Handwerk zu mühsam geworden ist.
· Man ersetzt den Dienstleistungsanspruch durch Algorithmen, weil „Skalierung“ schicker klingt als „Sorgfalt“.
· Man wundert sich über den Fachkräftemangel, während man die Arbeit so weit standardisiert, dass sie eigentlich gar keinem Fachmann mehr Spaß machen kann.
Auch in meinem Metier – der Suche nach den richtigen Köpfen für komplexe Infrastrukturen – beobachte ich diesen Trend mit einer Mischung aus Amüsement und Sorge.
Es ist heute verlockend einfach geworden, „Personalberatung“ zu spielen: ein paar Keywords in eine Software werfen, Massen-Mails per Klick versenden und hoffen, dass einer der „Teiglinge“ im Ofen der Mandanten aufgeht. Das spart Zeit, fühlt sich modern an, hat aber mit Handwerk wenig zu tun.
Nach 29 Jahren in diesem Bereich bleibe ich dabei: Ein gutes Netzwerk und das Gespür für Menschen lassen sich nicht schockgefrieren.
Wer Qualität will, muss eben doch noch selbst in die Backstube – auch wenn der Mehlstaub manchmal anstrengend ist. Sonst schmeckt am Ende eben alles gleich. Und das will eigentlich keiner, weder beim Frühstück noch bei der Besetzung von Schlüsselpositionen.
Wie halten Sie es? Backen Sie noch selbst oder lassen Sie schon aufwärmen?
Dieter Feige, Februar 2026
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