Bertelsmann-Studie


 Bertelsmann-Studie:

Der Teufelskreis des Fachkräftemangels und der Gefahr des unwiederbringlichen Verlusts von Fachkräften

Warum die Wechseldynamik über die Zukunft der Mobilitäts-industrie entscheidet

Als Personalberater im Bahnsektor ist die Realität hart: Der Fach-kräftemangel ob in der Infrastruktur & Technik, oder im Eisen-bahnbetrieb, ist nicht nur ein Problem der Gegenwart, sondern ein wachsendes systemisches Risiko – es sind Engpassberufe. Die Überlastung und zunehmender Druck durch höhere Arbeitsbelastung, wird wie in anderen Berufsgruppen (z.B. Pflegepersonal) zu massiven Abwanderungen führen.

Die aktuelle Analyse der Bertelsmann Stiftung zum Thema Fachkräfte-gewinnung und -bindung zeigt klar: Die bloße Hoffnung auf Neu-einstellungen reicht nicht mehr. Wir müssen die Dynamik von Berufswechseln aktiv gestalten.

1. Das Kernproblem: Fehlende Ähnlichkeit der Jobs

Die Studie legt den Fokus auf die Ähnlichkeit von Berufen als Haupttreiber für Wechsel. Ein Übergang gelingt einfacher, je ähnlicher die Tätigkeiten sind.

Doch für die Bahninfrastruktur bedeutet das: Unsere Engpassberufe haben oft spezifische Anforderungsprofile, die sich nicht direkt mit den Massenberufen am Arbeitsmarkt überschneiden.

Die Niederlande (NS - Nederlandse Spoorwegen) und in Teilen Großbritannien (Network Rail) gelten als besonders fortschrittlich in der strategischen Umschulung und dem Quereinstieg in den Bahnbereich und die Network Rail & TOCs in Großbritannien gelten als besonders Fortschrittlich vor allem im Bereich der digitalisierten Qualifizierung und der zielgruppengerechten Ansprache mit Fokus auf „Transferable Skills“ werden Bewerber aus dem Militär, der Luftfahrt oder der Öl- und Gasindustrie zu rekrutieren, da diese Sektoren ähnliche Anforderungen an Sicherheit, Präzision und Schichtarbeit haben. Die Bahnbetriebe investieren stark in die Übertragung dieser Fähigkeiten. Dabei werden Digitale Lernmethoden mit  virtuelle Trainingsumgebungen und Simulatoren genutzt, um die Einarbeitung in die oft komplexen Bahnsysteme zu beschleunigen und die spezifischen Regularien effizient zu vermitteln.

➡️ Strategische Notwendigkeit: Wir müssen die Brücken zu jenen Berufen aktiv bauen, deren Profile ausreichende Ähnlichkeiten aufweisen (z.B. Elektriker, Metallbauer, Tief- und Hochbau). Dies erfordert zielgerichtete Umschulungs- und Qualifizierungsprogramme in den Unternehmen, die das Delta der Expertise schnell schließen.

2. Die zentrale Rolle der Arbeitgeberattraktivität

Der entscheidende Hebel zur Bewältigung des Mangels liegt in der Attraktivität der Engpassberufe selbst. Der Wandel vollzieht sich in zwei Richtungen:

  • Gewinnung: Nur als attraktiver Arbeitgeber zieht der Bahnsektor Fachkräfte aus anderen, ähnlichen Bereichen an.
  • Bindung: Die Studie betont, dass die Vermeidung von Abwanderung in andere Sektoren (z.B. Bau oder Industrie) genauso kritisch ist wie die Gewinnung von Neuem. Attraktivität wirkt als Schutzschild gegen Fachkräfteverlust.

3. Konsequenzen für den Bahnsektor

Die Verzögerung von Infrastrukturprojekten, die nicht besetzt werden können, kostet die Gesellschaft Milliarden. Die Bertelsmann Stiftung liefert hierfür die faktenbasierte Bestätigung:

  • Der Wandel ist demografisch bedingt: Bis 2040 sinkt die Zahl der Erwerbstätigen. Wir können uns keinen "Stillstand" im Recruiting leisten.
  • Der Wandel ist technologisch bedingt: Die Digitalisierung der Schiene (ETCS, automatisiertes Fahren) erfordert eine völlig neue Qualifikationsbasis.

Mein Aufruf an die Entscheider: Der Engpass im Bahnsektor lässt sich nicht mit alten Methoden lösen. Wir müssen die Ähnlichkeiten zu anderen Berufen aktiv nutzen und gleichzeitig die internen Anreize (New Work, Entwicklung, Vergütung) so gestalten, dass der Wechsel zu uns nicht nur möglich, sondern die attraktivste Karriereoption wird.

Dieter Feige, Oktober 2025

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