selbstheilenden Kräfte

Wir blühen auf !

 

Dieter Feige, April 2021

Corona-Blues und die selbstheilenden Kräfte

Während die Parteien sich gegenseitig die Schuld zuweisen und auch die Zaungäste mit „Wir machen alles besser!“ gleichfalls nicht so richtig überzeugen, offenbaren sich in der Pandemie die Schwächen des Systems und die seit langen Jahren aufgestaute Rückständigkeit, die sich einfach nicht mehr mit „deutscher Gründlichkeit“ schönschmusen lassen. Veränderungs-bereitschaft ist in der deutschen Genstruktur nicht besonders ausgeprägt. Prominenter ist die Null-Risiko-Mentalität mit Rückversicherung, kürzer „German Angst.“ Denn so wie sich schon vor 50 Jahren das Waldsterben ankündigte, so war spätestens nach BSE, der Mad Cow Disease, der SARS Pandemie 2002/2003 und dem Ausbruch des Ebola-Virus erkennbar, dass die Wahrscheinlichkeit nach noch Schlimmerem sehr hoch sei. Und nun, nachdem die Schmerznerven breitflächig freiliegen, passiert Unglaubliches. So wie sich auf dem Bild die Natur nicht aufhalten lässt, vollziehen sich bahnbrechende Veränderungen. Mit einer Dynamik, wie in der Nachkriegszeit, findet ein in diesen Ausmaßen noch nicht erkennbarer Umbau statt. Es sind die Gesellschaft und die selbstheilenden Kräfte der Industrie, die sich neu aufstellen und sich unabhängig von politischen Spiegel- und Wahlkampfrangeleien radikal verändern. Wie mit einer Flutwelle sind wir in das digitale Zeitalter getragen worden und müssen nun dringend die Lücken von Web 3.0 (semantische Vernetzung) schließen, um den Anschluss ans Allesnetz (Web 4.0) nicht zu verpassen. Die hierfür nunmehr laut lamentierten Personalengpässe sind stets ein Argument der anstrengungsvermeidenden Resignation. Dringend benötigte Experten und Spezialisten müssen jetzt dort abgeholt werden, wo sie weltweit zu finden sind („Crossborder Recruiting“ https://www.feige-business-advisors.de/pub_de_39.html). Das hat doch bislang immer im Wirtschaftswunder-land Deutschland funktioniert. Also nicht erst auf den Impftermin warten.

 

Dieses Aufbruchsignal, inmitten der pandemischen Disruption die Befreiung aus dem zähen Mehltau überkommener Strukturen zu wagen und den Wandel einzuläuten, belegen signifikant die kürzlich erschienenen Ifo-Konjunkturperspektiven März 2021. Im Gesamtbild der Branchen und Sparten sprießen zügig die Indices für Geschäftserwartungen, Geschäftsklima und Geschäftslage aufwärts, von verhaltenen 90 Punkten zu Jahresbeginn um die 4 bis 10 Punkte auf die Hunderter-Marke zu. Das verarbeitende Gewerbe vor allem, mit Maschinenbau, Elektro und Chemie traditionelle Exportgaranten, aber auch der Großhandel sowie das Bauhauptgewerbe legen im Schnitt deutlich zu. Noch leicht verhalten zeigt sich der Aufwärtstrend im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor. Der Motor läuft trotz Pandemie weiter und bringt die Industrie auf Kurs in eine neue Ära.

 

Aufbruch in eine „grüne“ Zukunft mit Neo-Mobilität

„Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen“ (Joseph Beuys). Diese Zukunft ist längst in umsetzungsreifen Visionen und tragfähigen, realisierbaren Ideen erfunden worden. Denn Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Öko-Krisen bringen gewaltige Aufgaben, die dringend gelöst werden müssen. Dieses „grüne“ Bewusstsein hat sich in der Gesellschaft breitflächig etabliert und lässt sich an wegweisenden Trends und der parteipolitischen Stimmungslage ablesen. So bedarf die „grüne“ Zukunft vor allem innovativer Infrastrukturmaßnahmen in der Mobilität. Wie sie die Deutsche Bahn AG jetzt angeht, die das gewaltige Investitionspaket der Bundesregierung zur Modernisierungsoffensive auf die Schiene bringt. Hier seien nur einige Trends genannt, bei denen eine bedarfsorientierte, nachhaltige Mobilität eine entscheidende Rolle spielt. Ein wesentlicher Aspekt betrifft die Ortsgebundenheit von Mitarbeitern vor allem im Dienstleistungssektor. Bei verbesserter digitaler Erreichbarkeit wird sich der Trend zu Home-Office und Videokonferenzen deutlich verstärken und zur Normalität verfestigen. Das wiederum bewirkt eine zunehmende Ruralsierung, quasi die Stadtflucht in ländliche Regionen mit ihren vielen Vorteilen für Life-Balance und ein gesundes Leben. Diese Zielvorstellung steht bei der Nachwuchsgeneration Z zuoberst auf der Agenda. Gesundes Leben in einer sauberen Natur mit gesunder, möglichst veganer Nahrung aus Erzeugnissen der Region gilt ihnen als ein vorrangiges Wohlstandskriterium. Landruhe statt City-Stress für digitalaffine Menschen, die sich dort in Communities mit Gemeinschaftsgarten, Co-Working-Spaces, Ateliers und Bistros organisieren. Ländliche Regionen erfahren dadurch eine qualitative Aufwertung mit starken Impulsen für die Restrukturierung der oftmals verödeten Einkaufszentren durch Ansiedlung von Einzelhandel im Mix mit Erlebnisgastronomie. Sie blühen auch ohne „Unser Dorf soll schöner werden“-Kampagnen durch dieses Reinforcement von Wohnen und Leben im Grünen wieder auf. Für die Städte mit weniger Büroflächen bedeutet diese Verschiebung der Arbeitswelt die echte Chance einer Begrünung, die angesichts des Klimawandels dringend zu Gebote steht. Infolge dieser Transformation in klimaneutrale Arbeits- und Wohnoasen mit Urban Farming, Erlebnisflächen und dem entsprechenden Mix aus Shopping, Kulturangeboten und Gastronomie erhalten Städte eine neue Lebensqualität. Für die Realisierung von Ruralität und grüner Urbanität spielen intelligente Mobilitätskonzepte natürlich eine Schlüsselrolle. Für eine schnelle und nahtlose Erreichbarkeit von Stadt und Land in Pendelentfernung stehen die Optimierung einer infrastrukturellen Verdichtung und Vernetzung sowie attraktive Angebote des ÖPNV im Fokus.

 

Wertewandel im Zeichen von Nachhaltigkeit und interaktiver Wertschöpfung

Wir bewegen uns im Zuge der Digitalisierung in eine Netzwerkgesellschaft, die unsere Lebens- und Arbeitsweisen grundlegend verändern wird. Dieses Zusammenwachsen in Form von interkulturellem Austausch und intensivierter Kommunikation frei jeglicher Nabelschau hat eine neue globale Identität zur Folge, die in erster Linie auf Nachhaltigkeit und ökologische Werte setzt. Damit einher geht der Trend einer Post-Individualisierung, der nicht nur alte Konsummuster zugunsten Sharing-Economy abstreift. Das meint nicht allein die Wertschätzung von Freundschaften und Familie in der Freizeit. Das meint vor allem das vernetzte Arbeiten in heterogenen Gruppen und globalen Communities fernab des klassischen horizontalen Zuständigkeitskarussells und der Hierarchiekaskaden. In diesem interaktiven Aggregat können sich Human Resources und Potentiale stärker und lösungsorientierter entfalten und ausgeschöpft werden. Der geniale Einzelkämpfer eines Thomas Alva Edison oder Werner von Siemens ist längst Legende geworden. Folglich wird die traditionelle wachstumsorientierte Ökonomie sukzessive durch ein progressives Wachstum in den Branchen einer, nennen wir sie Neo-Ökonomie, ersetzt.

 

haben viele Menschen bereits in der Home-Office-Zeit getan. Fast 40 Prozent suchen ab sofort eine neue Herausforderung, eine neue berufliche Wirkungsstätte fernab der traditionellen Ortsabhängigkeit. Die Vision Arbeit 4.0, die De-Territorialisierung von Jobs, ist greifbar ein erstes Stück Realität geworden. Lassen Sie uns die durch die Flexibilisierung der Arbeit neue Freiheit, ob in der Stadt oder auf dem Land, positiv nutzen und genießen lernen.