The Proof of the Pudding

“The Proof of the Pudding is in the Eating…”

Dieter Feige (2014)

wird auch „Fladimir“ Putin gedacht haben, als er sich nach dem fulminanten Start der olympischen Winterspiele in Sotschi die Krim einverleibte! Die Sprachlosigkeit der westlichen Völkergemeinschaft ermutigte ihn dann, im Nachschlag auch am Osten der Ukraine zu knabbern. Heißhungerattacken lassen sich zwar mit Süßigkeiten vorübergehend stillen: Wer „Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“ gesehen hat, erinnert sich an den Bürgermeister, der des Nachts in die kleine Chocolaterie eindringt, um unterdrückte Bedürfnisse und Leidenschaften zu lindern. Im Gegensatz dazu bemühen sich Europäische Regierungschefs redlich, mit wiederholten Wirtschaftssanktionen Russland unter Druck zu halten, da die USA der Rolle des Weltpolizisten überdrüssig sind. Die Nato wittert Morgenluft: Nach der andauernden Sinn- und Existenzkrise regt sich plötzlich etwas in den Trümmern des Sowjet-Imperiums, das alten Feindbildern neues Leben einhaucht. Derweil leidet das Russlandgeschäft: Der Warenumsatz im ersten Halbjahr 2014 habe sich um 6,5% verringert, klagt der russische Botschafter Grinin auf dem mecklenburgischen Russlandtag. Über das ganze Jahr könnte der deutsche Export um bis zu 25% sinken. Angesicht der andauernden Zerwürfnisse hat es auch Putinfreund und „Russlandversteher“ Bundeskanzler a.D. Schröder schwer, um Verständnis zu werben. Grienender Dritter sind wieder einmal die Chinesen: Nach zehnjährigen Verhandlungen schließt Gazprom plötzlich mit dem chinesischen Partner CNPC einen 400 Milliarden Dollar Deal ab. Ab 2018 sollen mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr fließen.

Auch der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Ab Juli geht in Gaza das israelische Militär mit Operation Protective Edge gegen Raketenbeschuss und Tunnelsystem der Hamas vor. Im Irak spitzt sich im August die Lage zu: Die irakische Regierung reibt sich in inneren Machtkämpfen auf, als sich Premierminister Maliki trotz veränderter Machtlage weigert, seinen Platz zu räumen. Derweil verbreiten die Terrormilizen des Islamischen Staates Angst und Schrecken bis kurz vor Bagdad. Knowhow ehemaliger Baath-Kommandeure und die Unterstützung der nach Saddams Sturz marginalisierten Sunniten ermöglichen das. Als 10.000 flüchtende Jesiden im Nordirak von den IS-Schergen im Gebirge eingekesselt werden droht ein Massaker. Obama verwirft die außenpolitische Zurückhaltung der letzten Jahre und ordert US-Luftschläge gegen die IS an. Die Kampagne stützt sich auf eine Koalition williger arabischer Staaten. Die vormals geschmähte kurdische PKK und die Perschmerga avancieren zu Hoffnungsträgern. Die Türkei schlingert zwischen einem Vorgehen gegen die IS oder den Erzfeind PKK.

In Westafrika breitet sich seit Dezember 2013 die größte Ebola-Epidemie aller Zeiten aus. Nach Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria ist auch der Senegal betroffen. Zurückgekehrte Helfer erkranken in den Ländern des Westens. Experten der WHO prognostizieren, dass die Epidemie erst im kommenden Februar überwunden sein wird und sich bis dahin ca. 20.000 Menschen infiziert haben. Jeder zweite Erkrankte fällt dem Virus zum Opfer. Nicht nur gesundheitliche, auch wirtschaftliche Not und eskalierende Konflikte lassen die Flüchtlingsströme anschwellen: Das UNHCR zählt weltweit 51 Millionen Flüchtlinge, soviel wie seit 1945 nicht mehr!

Die Welt in Aufruhr und wie stellt sich Deutschland dazu? Zunächst sonnen wir uns im Erfolg „unserer Jungs“. Der vierte Stern macht sich auch an der Brust aller Hobby-Fußballspieler gut. Die Übel dieser Welt treten eine Zeit lang hinter dem „Gaucho-Gate“ zurück. Allerdings fordern schon im Januar Bundespräsident Gauck, Außenminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen eine aktivere Rolle Deutschlands in der Welt. Während Gauck das Thema weiter treibt, Steinmeier irgendwo im Luftraum zwischen Kiew und Nahost wohnhaft scheint, kommt von der Leyen nur allmählich in ihrer neuen Rolle an. Als sie – wie immer medienwirksam - die erste Bundeswehrkrippe eröffnet, scheinen die letzten Ressorts noch nachzuwirken. IS und Ebola bringen von der Leyen schließlich auf Kurs. Leider haben es deutsche Soldaten schwer, pünktlich Kurden Waffen oder freiwillige Ebola-Helfer nach Afrika zu bringen. Ein zehnjähriger Haushaltskonsolidierungszwang hat nicht nur die zivile Infrastruktur verrosten lassen. Zumindest kann man von der Leyen zugutehalten, den Teppich anzuheben, unter den vorige Verteidigungsminister jahrelang gekehrt haben. Das gilt besonders für die Beschaffung von Rüstungsgütern der öffentlichen Hand. Wie war das, Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt? Fragt sich nur, womit?

Ansonsten gähnt uns innenpolitische Langeweile ohne nennenswerte Akzente an. Symptomatisch für diese Diagnose sind die Ergebnisse des ersten großen Koalitionsausschusses im Oktober: Auf dem „Gipfel der Harmonie“ herrscht vor allem „gute Atmosphäre“, „bestes Klima“; es gab „keinen Streit“, so Kommentare von Teilnehmern. Alles wurde beraten, nichts beschlossen. Immerhin wissen wir, dass es Matjes, Brot und Käse gab. Wohl bekommt es! Also müsste eigentlich der Sportteil direkt und dauerhaft bis Ende des Jahres auf der Titelseite abgedruckt werden. Selbst Gregor Gysi und Anton Hofreiter können ihr Repertoire nicht erweitern.  Auch Sigmar Gabriel musste in seiner neuen Rolle so manche Pirouette drehen und war mit seiner Herbstprognose weitaus zurückhaltender als der nordkoreanische geliebte Führer und Nachwuchsdiktator Kim Jong-un, der zurück im strahlenden Licht der Öffentlichkeit, zuversichtlich in die Zukunft seines gemeinhin als darniederliegenden geltenden Volkes blickte.

Nun ist wieder die Weihnachtszeit angebrochen und vielleicht eine Gelegenheit bei einem Glas Glühwein mit Kollegen über die Auswirkungen der kriegerischen Wirren auf die Managementkultur zu philosophieren. „ Business is war. Arm yourself”, eine martialische Sprachfärbung schleicht sich wieder ein und so sind auch das Hauptwerk „Vom Kriege“ von Carl von Clausewitz oder Miyamoto Musashis „Gorin no Sho“ (die fünf Ringe) wieder „in“. Wenn Sie etwas Muße unterm Weihnachtbaum haben, möchte ich Ihnen dazu einen anderen meiner Essays empfehlen, die ich Ihnen gerne auf Wunsch zusende.

Ansonsten wünsche ich Ihnen eine erholsame und besinnliche Weihnachtszeit und bleiben Sie uns auch in 2015 weiterhin wohl gewogen.

Ihr Dieter Feige