...die Welt von gestern

Die Bahn verlässt die Welt von gestern

 

… und gewinnt dadurch enorm an Arbeitgeberattraktivität für Kandidaten auch aus anderen Branchen. Für diese Beobachtung aus Sichtweise eines langjährig engagierten, branchenversierten Personalberaters gibt es verlässliche Indikatoren. Zunächst sei genannt, dass sich die Wahrnehmung von Mobilität in der urbanen Bevölkerung positiv verändert hat. Diese hat sich durch neue E-Mobilitäts-Konzepte vom Hypertrend zu einem integralen Bestandteil im Mix von Individual- und öffentlichem Verkehr entwickelt. Zudem hat auch die Verkehrspolitik, getrieben durch eine günstigere Treibhausgasbilanz, die Weichen für mehr öffentlichen Verkehr gestellt.

 

Die Sichtweise der Berufseinsteiger oder Job-Suchenden hat sich gewandelt, und selbst Leute aus der Hightech, und hier besonders die Luftfahrtindustrie, blicken interessiert auf die Branche im Wandel. Die Digitalisierung wird hier einen Katalysatoreffekt haben, denn die zusätzlichen Ingenieure, Techniker und IT-Spezialisten werden andere in die Wachstumsbranche nachziehen. Die aktuelle Branchenprognose 2021 von Prognos validiert diese Einschätzung. Bei 3,9 Prozent gesamtwirtschaftlichen Wachstums beziffert sie eine solide Wachstumsrate von 3 Prozent mit langfristiger Stabilität für die Sparte Verkehr und Logistik. Nun steht die Bahn in einer fast zweihundertjährigen Kontinuität, hat als System und Unternehmen ihre spezifische, konservativ ausgerichtete Konjunktur entwickelt, die indes zuletzt leicht unter die Räder geraten schien. Es ist nicht wie Phönix aus der Asche, doch das Erstaunliche ist die neue Wahrnehmung der Bahn, die jetzt die Reise in eine prosperierende Zukunft antritt und damit zugleich das Ende des klassischen Personaltableaus Lokführer, Schaffner, Stellwerker und Gleisbauer einläutet. Einblicke in die neue Welt der Bahn lassen erkennen, welche Professionen und Experten zur Umsetzung zeitnah benötigt werden, da der technologische Input für das neue Gesicht der Bahn meist aus anderen Branchen kommt.

 

Zum Beispiel der Next Generation Train (NGT), vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt projektiert. Er soll mit 400 km/h bei halbem Energiebedarf und minimaler Schallemission das Maximum für Rad-Schiene-Technik erreichen. Cargo auf der neuen Seidenstraße wird von 14 auf 3 Tage minimiert, Containerschiffe damit um Längen geschlagen. Oder die Digitalisierung der Stellwerke in Kombination mit dem Zugsicherungssystem ETCS für höhere Wirtschaftlichkeit bei Energieeinsparung dank Pünktlichkeit und Kapazitätssteigerung. Auch in der Entwicklung sind optimierte Aerodynamik, Leichtbauweise, induktiv geladene E-Motoren anstelle der Oberleitungen. Nahziele sind zudem autonome Güterzüge auf digitalisierten Trassen und Brennstoffzellenzüge mit Wasserstoffantrieb. Das lässt schon deutlich den Bedarf an neuen Bahnberufen für einen neuen Bewerberkreis erkennen, der das Potential mitbringt. Nicht zuletzt kommt die zukunftstaugliche, auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung orientierte Bahn der Erwartungshaltung der Nachwuchsgeneration Z entgegen. Sie, Kinder des digitalen Zeitalters, suchen Sinnhaftigkeit im Job anstelle Blitzkarriere, sind stark auf die Arbeitgebermarke fokussiert und favorisieren Unternehmen, die aktiv an der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft mitwirken. Das sind die Wege in die neue Welt der Bahn. »Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.« (Kafka).

In diesem Sinne freuen wir uns, Sie mit unserem maßgeschneiderten Service und bei der passgenauen Besetzung von Führungskräften und Expertenpositionen begleiten zu können.

 

  Dieter Feige, Januar 2021