Are you happy?

Dieter Feige, Juli 2015 

Are you happy?

 

Happiness is the truth

Als meine Tochter neulich, offensichtlich animiert durch das sonnige Wetter, den bevorstehenden Urlaub und andere Glücksboten, zu dem Lied „Happy“ von Pharrell Williams durch die Wohnung schwebte, plötzlich abrupt vor mir stoppte und mir mit einem strahlenden Julia Roberts-Lächeln zurief „... komm, sei doch mal ein bisschen locker und tanze mit ...“, hörte ich den Refrain „Happiness is the truth“.

 

Der Glücksbeauftragte – jeder ist seines Glückes Schmied

Der Wunsch nach Glück ist gegenwärtig das bewegende Thema und wie so oft ist er jenseits des Atlantiks, wo das Streben nach Happiness auch in der Verfassung verankert ist, noch stärker ausgeprägt als in Europa. So gibt es bei den Tech-Giganten neben den CEO und CFO auch die ersten CHO, den Chief Happiness Officer, der die Mitarbeiter zu den glücklichsten wie auch zu den produktivsten machen soll. In anderen Unternehmen gibt es bereits einen „Happiness Beauftragten“ und in Google Labs tüfteln Ingenieure an den Algorithmen des Glücks nach dem Motto „Make yourself the happiest person on earth“. Glücklich sein wird zur obersten Daseinsform erklärt. Auch in Europa ist die Welle angekommen und soll zudem als Kriterium zur Messung des Wohlstands herangezogen werden.

 

In Deutschland gibt’s nur ein Quäntchen Glück

Der deutsche Soziologe Gerhard Schulze unterscheidet zwei Arten von Glück. Als Glück I versteht er die Freiheit von Leid und Mangel und darauf aufbauend als Glück II „das schöne Leben“. Der Philosoph Schopenhauer wiederum vertrat die Meinung, „das Höchste, was ein Mensch erreichen kann, ist sein Leiden zu verringern“. Daraus lässt sich vielleicht ableiten, dass wir Deutschen (mit Ausnahme der Rheinländer) nicht unbedingt als die glücklichste oder zufriedenste Spezies gelten und selbst unsere Politiker scheuen sich zu lächeln, aus Sorge, es könnte falsch gedeutet werden. Das ewige Nörgeln und die latente Unzufriedenheit sind Teil unserer Kultur und treiben uns zudem an, unsere Produkte und Dienstleistungen immer besser zu machen. Denn wenn wir eines überhaupt nicht ertragen können, ist es das ewige Meckern und Nörgeln unserer Mitmenschen.

 

„Vererbtes Glück“

Bei den Tieren war uns das Glück schon immer wichtig. Seien es die glücklichen Milchkühe oder Katz & Hund, von denen eine ganze Industrie lebt - und wir? Das Zitat von Thomas Jefferson (der dritte amerikanische Präsident von 1801 bis 1809) „all men are created equal“ müsste man hinsichtlich der Ergebnisse der Glücksforschung ergänzen um „... but some are more“. Denn die Glücksgene sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. „Happiness“ kann sozusagen von Hause aus gegeben sein. Es ermöglicht den glücklichen Mitmenschen wie die Enten übers Wasser zu watscheln, ohne sich von kleinem Untertauchen beunruhigen zu lassen. Denn sie haben die unsichtbare Kraft, die sogenannte Resilienz, die sie auch unter schwierigen Bedingungen über Wasser hält.

 

Happy End nicht immer gewollt

Dass weniger glücksbestimmte Bundesbürger ihr kleines „Defizit“ auch ihre Mitmenschen mitfühlen lassen, durften wir wieder einmal bei Claus Weselsky in seiner Rolle als GDL-Chef erleben. Es schien, wie eine Symbiose aus Macht und Ohnmacht ohne basisdemokratisches Happy End.

 

Sei’s drum, wo auch immer Sie Ihre Sommerferien verbringen und was immer Sie erleben, „Don’t worry be happy“ (Bobby McFerrin), denn Humor ist die Vorstufe des wahren Glücks.

 

Natürlich freuen wir uns, Sie nach Ihrem verdienten Urlaub bei der Suche nach Ihrem zukünftigen „Chief Happiness Officer“ oder einer anderen spannenden Position unterstützen zu dürfen. 

 

Bleiben Sie uns wohl gewogen. 

 

Ihr

Dieter Feige