Come on Gamer

Gen Z - We need you to build our future

Dieter Feige Januar 2020
Die Zeit stellt minutiös die Weichen in die Zukunft. Folglich sind wir nun im 3. Jahrzehnt des 3. Jahrtausends unserer Zeitrechnung angekommen. Dazu die besten Wünsche für ein gutes Gelingen und den erhofften Erfolg. Den Jahresrückblick haben wir hinter uns gelassen, auch die Vorschau wahrgenommen. Das Spektrum von dunklen Wolken und rosiger Zuversicht, Bangen und Hoffen, wird in den Wirtschaftsgazetten von Jahr zu Jahr breiter. Es gilt also wie immer, die Sachen entschlossen anzupacken. Das Kaninchen vor der Schlange war noch nie ein guter Ratgeber. Deshalb sollte uns auch der sich aktuell zuspitzende Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht lähmen. Es wird, so die Nachkriegsgeschichte es uns zeigt, der befürchtete große Knall ausbleiben. Letztlich wird die Vernunft siegen.
 
Was wir für die Personalwirtschaft in den Fokus nehmen müssen, dass in diesem Jahr, so die offiziellen Zahlen, viele junge Menschen die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen. Es trifft der Nachwuchs ein, der so dringend benötigt wird. Die Rookies und Newcomers zählen nun zur Generation Z, auch Gen Gamer genannt. Über diese Generation haben sich viele Jugendforscher und Experten den Kopf zerbrochen. Deshalb kursieren etliche Profile und Prognosen. Was bringen sie mit? Ihr Gepäck steht abholbereit zur Aufbewahrung, wie auf dem Foto. Was sich in den Koffern befindet, haben wir schon in einem Beitrag, Gen Z, Future cannot be stopped, ausgepackt. Aus nun fünfunddreißig Jahren Erfahrung weiß ich, dass jede nachwachsende Generation ihre besonderen Eigenheiten mitbringt, sich aber mit diesen Eigenschaften konstruktiv und vor allem innovativ ins Berufsleben einzubringen weiß. Jeder Generationswechsel ist mit Reibungen verbunden, ohne dass dabei große Verluste entstehen. Davon berichtet die Weltliteratur seit der Erfindung der Schrift. Im Rückblick sind im Nachkriegsdeutschland aus den „Halbstarken“ der 50-er erfolgreiche Handwerker, Anwälte und Ingenieure geworden, die allermeisten 68-er haben sich beruflich etabliert, es sogar zu Ministern und Professoren gebracht. Und die ach so sperrigen Millenials sind gleichfalls beruflich integriert und tragen zum Fortbestand von Gesellschaft und Wirtschaft bei.
 
Nun wollen uns aber Medien weis machen, die Generation Z hätte uns den Krieg erklärt. Unter dem Suchbegriff „OK Boomer“ findet man bei Wikipedia eine Auflistung renommierter Blätter, wie auch Handelsblatt und NZZ, die sich bis Dezember 2019 mit diesem Phänomen befasst haben. Die Auslöser waren zum einen die Antwort einer jüngeren Abgeordneten im neuseeländischen Parlament, „OK Boomer“, genervt durch die Zwischenrufe eines älteren Abgeordneten der Boomer-Generation. Zum anderen wurden auf der Internetplattform TikTok die kritischen Auslassungen eines älteren Users auf die junge Generation mit „OK Boomer“ quittiert. Das veranlasste einen Redakteur der New York Times, Taylor Lorenz, im Herbst 2019 den Krieg der Generationen auszurufen. „OK Boomer Marks the End of Friendly Generation Relations - Now it’s war. Gen Z has finally snapped over climate change and financial inequality”. Seitdem tobt der mediale Sturm im Wasserglas. Das Wasserglas hält das aber aus. Also, wohin rollt die Karre mit den Koffern? In die Betriebe, Laboratorien, Büros und Hochschulen, zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit in der deutschsprachigen Schweiz. Warum dort?
 
Die cleveren Eidgenossen sind dem schulstreikenden Nachwuchs entgegen gekommen, haben den roten Teppich ausgerollt und bekunden damit eine enorme Wertschätzung in Form von Vorschusslorbeeren. Was war passiert? „Klimajugend“ und „OK Boomer“ sind die Deutschschweizer Wörter Nummer 1 und Nummer 2 des Jahres 2019. Begründet wurde die Wahl von „Klimajugend“ von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit dem Argument, die jungen Leute würden die Menschen mobilisieren, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. „Sie hätten Biss, Schlagkraft und Ausdauer wie Greta Thunberg.“ (Neue Zürcher Zeitung, 3. Dezember 2019). Mit Speck fängt man Mäuse? Nein, think positive. Die Deutschschweizer haben mit dieser Offerte die Hand ausgestreckt und zugleich die Weichen für die berufliche Integration von Generation Z gestellt. Und mit „OK Boomer“ im Windschatten von „Klimajugend“ haben sie den Gamern das Recht zugebilligt, frei ihre Meinung sagen zu dürfen und Veto zu rufen, „wenn sich eine Person aus der Baby-Boomer-Generation abwertend und herablassend über die Meinung einer jüngeren Person äußere.“ (Neue Zürcher Zeitung, 3. Dezember 2019). Vertrauensbildende Maßnahmen waren stets eine strategische Stärke der Eidgenossen.
 
With digital intelligence fit for disruption

Das Handshake und der Brückenschlag unserer Nachbarn ständen uns auch gut zu Gesicht. Denn das Jahrzehnt steht technologisch und ökonomisch im Zeichen der Digitalisierung, die hier in den meisten Branchen noch in den Kinderschuhen steckt. Diese Herausforderung, die digitale Transformation, können wir nur mithilfe der Digital Natives wesentlich schneller und besser meistern. Generation Z ist im Digitalen aufgewachsen, besitzt somit die Qualität einer „digitalen Intelligenz“. Die Gamer beherrschen spielerisch die Klaviaturen der digitalen Anwendungen. Das Digitale ist ihre Muttersprache, das für viele Menschen der noch analog orientierten Vorgängergenerationen wohl eine Fremdsprache ist und bleibt. Angesichts des Fachkräftemangels infolge der demografischen Entwicklung und der signifikanten Lücken bei den MINT-Berufen hat diese Gen Z bildlich gesprochen den Status „Seltener Erden“.
 
Zudem wird die nähere Zukunft absehbar von disruptiven Entwicklungen bestimmt werden. Die rasanten Fortschritte in der Anwendung der Künstlichen Intelligenz werden enorme Umwälzungen in den Bereichen von Produktion, Dienstleistung und Vertrieb bewirken. Das wird zwangsläufig zu neuen Modellen menschlicher Arbeit in einem Ausmaß führen, das in den Ideenskizzen von New Work oder Arbeit 4.0 erst in Ansätzen beschrieben wird. Das ist nur eine Richtung in die Zukunft der Menschheit. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) führte 2018 unter anderem Ernährungssicherung, Klimapolitik, nachhaltiges Wirtschaften und Bildung als globale Zukunftsaufgaben auf. Diese Ziele sind langfristig gesteckt, um eine für Menschen lebensfähige Zukunft zu wahren. Diese Zukunft gehört aber mehr oder weniger der Generation Z und noch den Millenials als den aktiv in den ökonomischen und technologischen Prozessen agierenden Protagonisten.
 
Die Deutschschweizer attestieren der „Klimajugend“ Biss, Schlagkraft und Ausdauer. Diese Skills zeugen von einem starken Optimismus und einer Winnermentalität. Sie sollten uns berechtigten Anlass zur Zuversicht geben, dass die Gamer fähig sind, mit uns gemeinsam diese Ziele zu erreichen. Also fallen wir ihnen nicht ins Wort, sondern hören zu, was sie uns zu sagen haben. Sie sind in den turbulenten Zeiten nach 9/11 groß geworden, wurden mit Kriegen, Krisen und der Auflösung der alten Ordnungen konfrontiert. Diese Disruptionen haben ihre Einstellungen geprägt, die Gefühlslage sensibilisiert und einen kritisch geschärften Blick geschaffen. Sie erklären uns nicht den Krieg der Generationen. Sie wollen ihre Energie und Visionen für eine lebenswerte Welt einbringen. Weltweit vernetzt, nicht als Solisten und Einzelkämpfer. Sie werden den Planeten zukunftstauglich machen. Also, come on Gamer.
 
P.S. Als ein in meinem beruflichen Metier passionierter „Eisenbahner“ bin ich natürlich bester Hoffnung, dass Generation Z die „digitalen Stellwerker“ sind, um die Eisenbahn im Zuge der Restaurierung unseres Verkehrswesens wieder auf die zukunftsfähige Schiene zu bringen. Es gibt viel zu tun. Angesichts der geplanten Reduzierung der CO
2-Emissionen empfiehlt sich im Mobilitätsmix aus Straße, Luft, Wasser und Schiene der Eisenbahnverkehr als die nützlichste und sinnvollste Komponente. Klimagünstigste Schadstoffbilanz und hohe Unfallsicherheit.
Eine vierminütige Historie des Gaming bietet „Dan Bull - Generation Gaming“:
https://www.youtube.com/watch?v=PuqsxnHlhTc