Armored locomotives

Armored locomotives are “coming to the train” - again?
 
Kein Wortspiel. Eine durchaus berechtige Frage angesichts dieses Vehikels auf Schienen. Panzerzüge und gepanzerte Lokomotiven wurden bereits im 1. Weltkrieg von mehreren kriegsführenden Nationen eingesetzt. Nicht nur am Rande erwähnt. Das historische Datum des ersten Einsatzes von Panzern in Europa ist der 20. November 1917. In der Schlacht von Cambrai setzten die Briten auf die Durchschlagskraft von fast 500 Tanks. Der Panzer hatte sich in der Folge als neuer Waffentypus bewährt und die Kavallerie weitestgehend abgelöst. Dank ausgebautem Schienennetz kamen im 2. Weltkrieg im Osten Europas Panzerzüge von der Wehrmacht und der Roten Armee zum Einsatz, die indes für defensive Kriegshandlungen verwendet wurden. Darüber informieren viele Bücher und Bildbände in Bibliothekstärke. Panzer spielten bis in die Neunziger Jahre in den NATO-Strategien noch eine bedeutende Rolle, was sich seinerzeit in der Struktur der Heerestruppen der Bundeswehr widerspiegelte. Panzergrenadier- und Panzerdivisionen. In der Nachkriegszeit sind in Deutschland keine Panzerzüge auf die Schienen gebracht worden. Oder doch? Unter großer Geheimhaltung besaß die Bundeswehr rund 70 Lokomotiven und zehn Zwei-Wege-Fahrzeuge, allesamt Sonderanfertigungen. Ein Dokumentarfilm im DVD-Format, der mit dem reißerischen Titel „Militärlokomotiven im Einsatz: Die verschwiegene Geschichte der Bundeswehr-Loks“ wirbt, wird aktuell immer noch im Internet zum Verkauf angeboten. Den Kauf kann man sich aber sparen, weil der Kick, der Anblick mit modernster Waffentechnik bestückte Kampfloks, leider ausbleibt. Weder gepanzerte Loks noch Panzerzüge waren in den Anlagen, Depots und Kasernen versteckt. Es handelte sich vielmehr um Spezialanfertigungen für den Normalspur- und Schmalspurbetrieb in Einrichtungen der Bundeswehr. Um nicht für die Rangierarbeiten in den Depots auf bundeswehreigenen Gleisanlagen von der Bundesbahn abhängig zu sein, wurde bei verschiedenen Herstellern der Bau leistungsstarker Diesellokomotiven vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Auftrag gegeben. Dabei handelte es sich um Loks der 400 PS-Klasse, die bei fast allen deutschen Lokomotivherstellern bestellt wurden, sowie um 200 PS-Lokomotiven, die von der Firma Klöckner-Humboldt-Deutz konstruiert und gefertigt wurden. Über fünfzig regelspurige Rangierloks befanden sich somit im Besitz der Bundeswehr. Für die Marine wurden 20 Schmalspurloks angeschafft, die vorwiegend für den Munitionstransport verwendet wurden. In den 90-er Jahren wurde der Betrieb schrittweise eingestellt. Wiedervereinigung, die Auflösung des Warschauer Paktes, die Reduzierung der Bundeswehr, aber auch neue Logistikkonzepte waren der Anlass. Um sich darüber zu informieren, muss man aber nicht ins Darknet. Die Internetseite www.bundeswehrloks.de gibt ausreichend Auskunft. Auch über den Verbleib der außer Dienst gestellten Lokomotiven.
 
Zurück zum Foto. Aus Bundewehrbeständen stammt dieses gepanzerte Gerät nicht, wie man sich leicht vergewissern kann. Der Informant teilte nur mit, dass diese Schienenfahrzeuge in Namibia von der South African Army eingesetzt wurden, um die Eisenbahnstrecken auf terroristische Aktivitäten zu prüfen. Recherchen haben nun erbracht, dass es sich um einen zum gepanzerten und minenfesten Schienenfahrzeug umgebauten Casspir der South African Police (S.A.P.) handelt, der bis zum Ende der Apartheitspolitik 1995 in Namibia verwendet wurde. Casspir ist der Name für einen ab 1979 eingesetzten und kampferprobten Allrad-Truppentransporter aus Südafrika. Hersteller des Casspir ist die südafrikanische Tochter von BAE-Systems (British Aerospace Electronic Systems), dem derzeit weltweit drittgrößten Rüstungskonzern. Ende der Beweissicherung. Dieser Casspir auf Schienen hat wesentlich zur Sicherheit von Leib und Leben von Eisenbahnpassagieren in unsicheren Zeiten beigetragen. Er ist heute ein Museumsstück der äußerst facettenreichen Eisenbahngeschichte.
 
Diese Geschichte hat natürlich heißes Interesse erweckt, ob es in der Welt nach 1945 noch weitere Exemplare gepanzerter Schienenfahrzeuge für militärische oder polizeiliche Zwecke gab oder gibt, wie der Casspir aus Südafrika. Einem On-dit zufolge soll die nordkoreanische Armee noch über gepanzerte Schienenfahrzeuge verfügen.
 
Nun, vielleicht haben Sie Kenntnis von gepanzerten Schienenfahrzeugen, die irgendwo auf dieser Welt noch zum Zuge kommen. Über einen entsprechenden Hinweis würden wir uns freuen. Eisenbahngeschichten faszinieren uns einfach. Teilen Sie diese Raritäten mit uns: feige@feige-business-advisors.de
 
Eisenbahnen können oft Erinnerungen, aber auch Bestimmungen für ein Leben sein. Wie es ein Song von Johnny Cash uns erzählt. „Locomotive man”: https://www.youtube.com/watch?v=0fBWQLEapPc

 


Panzerzug