The point of no return

Aufbruch in 2013: The point of no return

Dieter Feige (2013)                                         Painting by Ronald Wong FGAvA ASAA
Die Erfahrenen unter den Lesern erinnern sich sicherlich noch an den Landeanflug auf den alten Flughafen von Hongkong: Nach einem langen Sinkflug flog der Pilot zwischen den Hochhäusern auf einen Fixpunkt zu, um dann die Maschine plötzlich, in einer 90° Drehung, auf die wegen Seitenwind gefürchtete Lande- bahn KAI TAK zu steuern. Von diesem Moment an gab es kein Zurück mehr. Was für den Piloten Routine war, war für diejenigen, die diese Strecke zum ersten Mal flogen, nervenaufreibend. Auch hartgesottene Weltenbummler sahen eine Steigerung nur im Bungee-Jumping von den Victoriafällen zwischen Simbabwe und Sambia. Der nun auf die Insel Lantau vorgelagerte internationale Flughafen lässt (leider) all den Nerven-kitzel vermissen. Wer sich noch einmal vor Augen und Ohren führen möchte, wie atemberaubend riskant die Landeanflüge auf Kai Tak waren, der wird bei diesem Video garantiert 3 Minuten, 44 Sekunden die Welt um ihn herum vergessen. Nichts für schwache Nerven: https://www.youtube.com/watch?v=3PCOcyt7BPI

Was ko
̈nnen wir für 2013 erwarten? Einen holprigen Landeanflug zu gutem Ende? Werden lange – wenn auch hierzulande eher weniger - ertragene Krisen endlich überwunden? Einiges spricht dafür. Das Jahr ist noch jung, wir sind gerade in ihm angekommen. Genießen wir also die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings und wagen einen Ausblick auf 2013.


Wirtschaft 2013 – die Talsohle ist fast erreicht, danach geht es aufwärts.
Konjunkturelle Prognosen gibt es viele. Und in Bezug auf das für 2013 vorher- gesagte Wachstum für Deutschland - nicht gerade überraschend - liegen alle dicht beieinander: Getreu dem Motto, „ein kluges Pferd springt nur so hoch, wie es muss“ stapelt die Bundesregierung mit +0,4% tief. Optimistischer sind da mit internationalem Blick die OECD (+0,5%), der IWF (+0,6%) und die EU- Kommission mit +0,8%. Hoffnungsfroher sieht nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Wachstumsaussichten für Deutschland in 2013 (+0,9%). Um noch ein wenig Kaffeesatzleserei zu bemühen: Ende Januar meldete das Münchner Ifo-Institut einen deutlichen Anstieg seines Geschäftsklima- Index. Vor allem im Export herrsche angesichts weit entfernter, wachsender Volkswirtschaften in Südostasien (Indonesien, Malaysia, Vietnam) und Südamerika (Kolumbien, Peru) verbesserte Stimmung. Einer DIW-Studie zufolge würden niedrige Zinsen, Inflationsangst und Steuereinnahmen der Bauwirtschaft in 2013 zu einem kräftigen Wachstum verhelfen (+5%). Mitte Februar ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), dass deutsche Firmen das achte Jahr in Folge neue Arbeitsplätze (+150.000) schaffen wollen. Dieser Zeitraum ist ein Novum im wiedervereinigten Deutschland und fand davor zuletzt in der BRD zur Zeiten des Wirtschaftwunders statt. Allerdings waren es 2012 noch 420.000 neue Stellen gewesen.
Die EU-Verschuldungskrise bleibt - bis auf Weiteres - in Deutschland nur peripher spürbar. 2011/12 trafen aus Südeuropa regelmäßig Horror-nachrichten von Staatsbankrott und drastischer Jugendarbeitslosigkeit ein. Junge Arbeitsmigranten aus Spanien und Italien strömten hoffnungsvoll auf den deutschen Arbeitsmarkt. Wird Deutschland in 2013 diese Sonderstellung halten können? Zwar ging Mario Draghis geldpolitischer Schachzug im Sommer 2012 auf: Seine Ankündigung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in unbegrenztem Umfang Anleihen von in die Krise geratenen Mitgliedsländern aufkaufen werde (falls nötig) hat die Märkte beruhigt. Neuerdings entwickelt sich auch das EU- Geschäftsklima nach zwei Rückgängen in Folge wieder positiv (IFO-Index). In vielen EU-Ländern beurteilten befragte Experten die Aussichten für die nächsten sechs Monate günstig; ausgenommen davon waren Zypern, Finnland, Portugal und Spanien. Ebenso verzeichnete der deutsche Export Anfang Februar wieder eine gestiegene Nachfrage (+0,8) aus dem EU-Ausland. Dennoch haben sich öffentliche und private Schulden durch die bisherige Wirtschaftsflaute in vielen Teilen des Euro-Raums festgesetzt. Auch der IWF prognostiziert, dass Europa bis Anfang 2014 in der Rezession verharren wird. Die Euro-Krise ist ja kein Teufel, der lediglich von Spekulanten an die Wand gemalt wird. Seit 2010 mildert der temporäre Rettungsschirm (finanziert aus EFSF, EFSM und IWF), der ab Oktober 2012 vom ESM dauerhaft ersetzt wurde, lediglich die Symptome der Krise. Er ist kein Allheilmittel gegen die jahrelange, mangelnde Haushaltsdisziplin und ansteigende Gesamtverschuldung einiger EU-Mitgliedstaaten. Hier sind schmerzhafte Reformen überfällig, wie das Beispiel Griechenland vor Augen führte. Grundlegend lässt sich nicht länger der politischen Frage ausweichen,
Währungsunion eigentlich funktionieren soll, wenn die Länder sich in ihrer Realwirtschaft stark unterscheiden und gleichzeitig keine Transferleistungen und Vergemeinschaftung der Schulden gegeben sind. Eine gemeinsame Bankenaufsicht durch die EZB, wie sie zur schrittweisen Umset- zung bis Ende 2013 im Oktober 2012 von den EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen wurde, ist hoffentlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Auch auf den internationalen Märkten und für die Weltwirtschaft sind die Aussichten für 2013 durchwachsen. In den USA konnte die knapp vor Weihnachten erzielte Einigung zwischen Republikanern und Demokraten, die einen Aufschub vor dem drohenden fiscal cliff gewährte, Ende Februar leider nicht wiederholt werden. Nun treten inhaltlich willkürliche Kürzungen nach der Rasenmäher- Methode in Kraft. Jährlich müssen 110 Milliarden im Regierungsbudget eingespart werden. Das ursprünglich für 2013 auf 2,5% prognostizierte Wirtschaftwachstum wird wohl auf eine minimale Steigerung, vergleichbar mit der Deutschlands, zurückgehen. Die Ursachen liegen wie in Europa in kumulativer Verschuldung: Zwei Kriege (Afghanistan, Irak) und die schwerste Rezession seit den 1930ern haben das Minus in der Washingtoner Haushaltskasse auf 16 Billionen Dollar anwachsen lassen. Die chinesische Wirtschaft verzeichnete 2012 mit 7,7% Wachstum den schwächsten Anstieg seit 13 Jahren. Mindestens sieben Prozent beim BIP sind in einem Schwellenland wie China wegen des großen Nachholbedarfs notwendig, um ausreichend Jobs zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen, derer es da viele gibt. Die Prognose der mächtigen nationalen Entwicklungs- und Reformkommission liegt für 2013 mit 7,5 Prozent nur knapp darüber. Die Weltbank prognostiziert etwas optimistischere 8,4%. Als ein gutes Zeichen für Wachstumsdynamik gelten Experten der unerwartet kräftige Anstieg der Lebenshaltungskosten sowie die Nachfrage im Inland. Auch Indien erwartet für 2012/2013 das schwächste Wirtschaftswachstum seit zehn Jahren. Für das Ende März ablaufende Haushaltsjahr 2012/13 wird ein Wachstum von nur 5,0 Prozent vorhergesagt; 2011/2012 waren es 6,2%. Eine hohe Inflation und sinkende Verbraucherausgaben machen der indischen Volkswirtschaft zu schaffen. Da sich keine der eben genannten Volkswirtschaften aufdrängt, in 2013 den Motor für die Weltwirtschaft zu spielen, schwächelt diese in den Prognosen konsequent. Die Weltbank stuft in ihrem halbjährlichen Ausblick das Plus der Wirtschaftsleistung auf 2,4% ein. Noch vor einem halben Jahr wurde eine
kräftige Belebung der Weltkonjunktur und ein Wachstum um 3,0% verkündet. Diese Entwicklung verzögere sich nun aber, so die Weltbankökonomen.
„Es ist das Wesen ökonomischen Erfolgs, schlechte Stimmung als Indikator für Umbrüche und neue Chancen zu verstehen“, so Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts in einem Artikel in der Welt. „Gute Stimmungen sind gute Zeiten für Kopierer, Nachahmer und Massenhersteller, die auf der Welle des allgemeinen Erfolgs mit surfen“, so Straubhaar weiter. „In Zeiten schlechter Stimmungen hingegen schlägt die Stunde kreativer Unternehmer, die neue Wege gehen oder auch einmal gegen den Strom schwimmen“ – Warum sollten deutsche Unternehmen 2013 also nicht neue Märkte in den o- ben genannten Wachstumsregionen erschließen?


Politik – 2013 die Qual der Wahl
In diesem Jahr werden wir wieder die Qual der Wahl haben: Der 18. Deutsche Bundestag wird am Sonntag, den 22.09. gewählt werden. Andere wichtige Wahlen sind die Wahlen zum Landtag in Bayern und auch Hessen im Herbst. Während CDU und FDP im letzen Anlauf ihrer Regierungsperiode Ende 2012 mit einem Steuersenkungspaket im Bundesrat scheiterten, positionieren sich die Grünen und die SPD bereits im anklingenden Bundestagswahlkampf. Der Armuts- und Reichtums-Bericht habe die Schieflage der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland aufgedeckt. Deshalb will Rot-Grün den Spitzensatz für Bezieher hoher Einkommen künftig von heute 42 Prozent auf 49 Prozent hochsetzen; darin würde die heutige "Reichensteuer" von 45 Prozent aufgehen. Die SPD will diese Grenze ab 100.000 Euro ziehen, die Grünen ab 80.000 Euro. Auch das Ehegattensplitting soll abgebaut werden. Ab einem Vermögen von einer Million Euro wollen die Grünen eine Vermögensabgabe von jährlich einem Prozent einführen. Das soll dem Staat binnen zehn Jahren 100 Milliarden Euro bescheren. Das Aufkommen der Erbschaftsteuer soll auf acht Milliarden Euro verdoppelt, die Abgeltungsteuer soll von 25 auf 30 Prozent angehoben werden. Der Trend geht also in Richtung Abgabenerhöhung und wird dem geneigten Wähler leidlich schmecken.

Internationale Politik - 2013 das Jahr der Eskalation?

Jüngst loderten zwei in der Vergangenheit beständig schwelende Konflikte auf, deren Dreh- und Angelpunkt der Trumpf der internationalen Sicherheitspolitik ist: die Atombombe. Nordkorea hat lautstark und mit 40 Kilotonnen Sprengkraft wiederholt bewiesen, dass es die Bombe hat. Auch in der Folge sind die Töne des jungen Machthabers Kim Jong Un schrill, ein Säbelrasseln mit verdeckter Absicht. Die amerikanische Strategie der Eindämmung Nordkoreas ist mit dem jüngsten Atomwaffentest offensichtlich gescheitert. Wie die Chinesen mit dem gefährlichen Irren im eigenen Hinterhof umgehen, ist offen. Ob er als Puffer gegen die amerikanische Machtausweitung in Asien-Pazifik herhalten oder in seiner Unberechenbarkeit gefährlich werden kann, bleibt abzuwarten. Anders das Szenario um den Iran: Er könnte bald soweit sein, ist es aber noch nicht. Hier gilt 2013 als Jahr der Entscheidung. Im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz drängte der US-Vizepräsident Biden den Iran zu direkten Verhandlungen zum Atomprogramm, ohne weitere Vorbedingungen. Der aufgebaute Druck entlud sich auf der Konferenz, als der iranische Außenminister aus der Rolle fiel und sich gegen jede Anschuldigungen lautstark verwerte. Der Iran beteuert wiederholt, das Atomprogramm nur zu zivilen Zwecken auszubauen. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Anreicherung von Uran zu waffenfähigem Material. Die Situation ist angespannt, die USA wollen mit allen Mitteln verhindern, dass der Iran die Bombe erlangt. Dabei wird weniger der tatsächliche Einsatz der Bombe befürchtet als vielmehr die Unantastbarkeit, die ein jetzt schon in viele Konflikte des Nahen Ostens verdeckt involvierter Iran erlangen könnte. Weitere internationale Brennpunkte, die 2013 ins Gespräch kommen werden, sind der arabische Raum mit Ägypten und Syrien, wo der Ausgang der Arabellion weiter unklar ist, sowie Afghanistan, das angesichts angekündigter internationaler Truppenrückzüge beweisen muss, ob es auf sich gestellt Frieden und Stabilität bewahren kann oder doch wieder in einen Bürgerkrieg zurückfällt.
Gesellschaft – 2013 ist (Smaragd-) Grün die Farbe der Hoffnung
Was die US-Firma Pantone als Farbe des kommenden Jahres kürt, wird Trend. Die Experten geben den Ton an - Autoindustrie, Tapetenhandel und Textilbran-che folgen. Ein Heer von Trendscouts schwärmt regelmäßig aus, um die Trendfarbe zu bestimmen. Dazu werden Nachtclubs und kleine Szenemagazine durchstöbert, Politik und globale Krisen analysiert, Blogs und YouTube-Videos durchforstet. Den richtigen Riecher bewiesen die Experten mit Neonfarben, die Autoindustrie, Textilketten, Tapetenhandel und Stoffhersteller bereitwillig aufgriffen. Für 2013 soll Smaragdgrün, genauer Smaragdgrün Nummer 17-5641, DIE Farbe sein. Halten wir also die Augen auf.
Es ist eben wie auf dem Foto, trotz des neuerlichen Wintereinbruchs ist der Frühling nicht aufzuhalten – eben the point of no return.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Ostertage,

Ihr Dieter Feige

Feige Business Advisors GmbH